Ein Kettenriss ist kein Beinbruch!

28.09.2014

Patrick Konrad
Leider wenig Glück hatte die Österreichische Mannschaft am heutigen Tag, dabei lief in der ersten Hälfte des Rennens eigentlich alles nach Plan.

An der Spitze war eine 4-Mann starke Spitzengruppe, bei der auch mein Gourmetfein-Teamkollege Matija Kvasina in den Farben des kroatischen Nationaltrikots vertreten war. Deren Vorsprung lag teilweise bei 16 Minuten, das Tempo im Hauptfeld war bei moderaten 35 km/h. Vor allem die polnische Mannschaft ließ den Rückstand des Hauptfeldes nicht größer werden, ihre Arbeit sollte auch am Ende des Tages belohnt werden.

Nach den ersten 100 Kilometern wurde das Tempo sukzessive gesteigert, die Ausreißer verloren pro gefahrene Runde ca. 2 Minuten...ihr Kräfte schwanden. Im Feld hieß es noch konzentrierter zu fahren, die 254,8 Kilometer ließen keinen einzigen Meter ohne Sturzgefahr zu. Aufgrund des wechselhaften Wetter mit teils kräftigem Regenschauer war der Asphalt ziemlich nass und rutschig. Auch wenn es nicht ganz so schlimm war wie bei den Weltmeisterschaften in Italien im letzten Jahr, wo die Fahrer wie auf rohen Eiern fuhren, gab es viele Stürze. 120 Kilometer vor dem Ziel erwischte es mich zusammen mit einigen anderen auch, aber weder Rad noch ich haben Schaden genommen.

Gut 70 Kilometer vor dem Ziel, die Italiener machten jetzt richtig Tempo. Als die Gruppe eingeholt wurde begann praktisch das Rennen wieder neu. Jetzt war Schluss mit lustig, das gemütliche Tempo der ersten Rennstunde war bei allen vergessen. Auf den beiden Anstiegen riss das Feld auseinander, wer das Tempo nicht halten konnte - und das waren viele - musste vorzeitig vom Rad. Auch das österreichische Team war schon dezimiert, ein paar Plätze zu viel hinten im Feld und weg war man...oder man hatte Defekt wie zum Beispiel Marco Haller.

Ich war in der ersten Verfolgergruppe, es waren noch ca. 40 km zu fahren. Natürlich war ich schon müde, aber auch happy dass ich noch mit dabei bin, plötzlich riss mir die Kette. Aus und vorbei, von 400 Watt im Anstieg auf plötzlich Null. Ich hatte sogar noch Glück nicht zu stürzen, wenn man die Kurbel dreht und plötzlich ist kein Widerstand mehr, das kann böse enden.

Leider spielten wir Österreicher keine entscheidende Rolle im Finish, Matthias Brändle wurde mit 1:27 Sekunden Rückstand 53. Gewonnen hat Michael Kwiatkowski, der sich zum ersten polnischen Weltmeister krönt.

Das persönliche Fazit meiner ersten Profi-WM fällt dennoch positiv aus, bei meinem 10. Platz bei den U23-Weltmeisterschaften im letzten Jahr...das war einfach eine andere Welt. Unglaublich das Niveau bei den Profis, ein Rennen wo es erst nach 200 Kilometer so richtig zur Sache geht - wo ein "normales" Rennen schon längst zu Ende ist. Zum Vergleich: Die längste Tour de France Etappe war heuer 237,5 Kilometer lang - aber die war im Gegensatz zu der heutigen WM flach. Auch ernährungstechnisch ist es eine komplett neue Herausforderung über eine so lange Distanz in der entscheidenden Phase noch genügend Kräfte zu haben. Ich habe heute echt viel gelernt und hoffe mit diesen Erfahrungen in Zukunft viele Weltmeisterschaften erfolgreich bestreiten zu können.
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