Rennergebnisse lesen will gelernt sein!

11.06.2016

Patrick Konrad
Ohne Team geht im internationalen Radsport gar nichts

Oft schaut man sich eine Ergebnisliste nach einem Rennen oder einer Etappe an und sieht das Ergebnis eines Fahrers, weit abgeschlagen im Feld, mit einem ordentlichen Zeitrückstand auf den Sieger. Erste Reaktion des unkundigen Betrachters: „Was war da heute los!“ Noch unverständlicher erscheint auf den ersten Blick die Aussage vom Sportlichen Leiter des Teams, wenn er meint: „Alle Fahrer haben heute einen guten Job gemacht." Radsport ist Teamsport. Oft gilt es für das Team im Finale eines Rennens einen Sprintzug vorzubereiten, um den Sprintstar in einer guten vorderen Position auf die letzten hunderte Meter zu bringen. Eine andere Geschichte ist es, einen Klassement-Fahrer in vorderster Position in den Beginn eines Berges zu bringen. Oft ist es unmöglich am Anstieg aus einer hinteren Position nach vorne zu fahren. Verlorene Meter am Beginn des Anstieges sind verlorene Meter. Die letzten Kilometer vor dem entscheidenden Berg werden oft richtig schnell gefahren, weil die Teams ähnlich wie in der Sprintvorbereitung ihre Bergfahrer in Position bringen müssen. Das ist Knochenarbeit. So kann es schon sein, dass man aus der Helferrolle heraus am letzten Berg einige Minuten auf den Sieger verliert. Der härteste Job eines Helfers oder besser eines Domestiken ist es, gemeinsam mit den anderen Teammitgliedern ein Führungstrikot zu verteidigen. Ich hatte schon mehrmals die Ehre bei meinem Team Bora in der Rolle des Kapitäns zu sein. Als gesamt Fünfter, zuletzt beim Giro del Trentino, der letzten Formüberprüfung für den Giro d'Italia, oder bei meinem 15. Rang bei Liège - Bastogne - Liège, konnte ich mit der Unterstützung meiner Teamkollegen tolle Ergebnis für mich, aber auch für das Team einfahren. Jetzt beim Critérium du Dauphiné, einer der letzten Rundfahrten vor der Tour de France, ist mein Teamkollege und regierender deutscher Meister Emanuel Buchmann der Kapitän für des Gesamtklassement und ich stehe in seinen Diensten.
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