Die Tour de France ist geschafft!

26.07.2016

Patrick Konrad
Es war emotional und sportlich ein Riesenereignis. Vielen Dank für eure großartige Unterstützung! Hier ein ausführlicher Rückblick.

Die Tour de France war emotional und sportlich ein Riesenereignis. Vielen Dank für eure großartige Unterstützung! Es waren drei sehr schöne Wochen und für mich super Erfahrungen. Es ist überwältigend, wie viele Leute uns angefeuert haben und wie der Radsport hier begeistert. Meine Leistungen bei der Etappe nach Bern und in den Alpen geben mir sehr viel Motivation für die Zukunft. Ich hätte aber gerne öfter gezeigt, dass solche und bessere Resultate für mich möglich sind. Natürlich war es mal härter und mal besser. Bei der Tour de France ist die Luft extrem dünn. Man darf sich schon in der Vorbereitung und speziell in den einzelnen Rennsituationen wenige Fehler erlauben.

Als ausführlichen Rückblick auf die Tour de France hier ein Interview:

Was sind nach der Premiere bei der Tour de France Deine stärksten Eindrücke?

Die Begeisterung der Fans und die Aufmerksamkeit, die man in Frankreich bekommt: All das ist einfach enorm und war für mich auch ungewohnt. Es geht nichts über die Tour de France. Es waren drei super Wochen, die sehr viel Spaß gemacht haben. Die Teilnahme an der Tour war immer mein Traum. Es ist etwas ganz Besonderes, bei diesem wichtigsten Radsportereignis der Welt als Rennfahrer dabei zu sein.

Wie ordnest Du Deine sportliche Performance bei Deiner ersten großen Landesrundfahrt ein?

Ich bin gut durch die Tour gekommen, sturzfrei, und ich hatte nie einen totalen Hänger oder einen schwarzen Tag. Ich weiß jetzt, dass ich meine Leistung auch über drei Wochen abrufen kann. Selbstverständlich wird man mit Fortdauer der Tour müde und spürt die Anstrengung. Aber ich bin gerade in der letzten Woche immer besser ins Rollen gekommen. Das zeigt, dass mein Formaufbau und die Vorbereitung gut waren.

Dein 12. Platz in Bern sticht als bestes Einzelergebnis heraus. Wie bist Du damit zufrieden?

Generell kann ich mit meiner Leistung bei der Tour nicht unzufrieden sein. In Bern habe ich durch einen Fahrfehler an der 500 Meter Marke eine noch bessere Platzierung vergeben. Es war mein Ziel, aufs Podium zu fahren oder in Reichweite davon. Leider bin ich nur einmal in die Situation gekommen, am Ende der Etappe um einen Spitzenplatz zu fahren. Ich hätte gerne öfter gezeigt, dass ich solche oder noch bessere Leistungen bringen kann. Auf der einen oder anderen Etappe hätte ich mich gerne weiter vorne gesehen. Man darf aber nicht vergessen, es geht im Radsport nicht immer nur um den einzelnen Fahrer, sondern auch um Teaminteressen.

Welche Situationen oder Abschnitte waren besonders schwierig?

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Beine und der allgemeine Zustand mal besser und mal schlechter sind, gerade über einen langen Zeitraum von drei Wochen hinweg. Es kommen bei der Tour sehr viele Eindrücke auf einen zu. Man muss sich extrem gut fokussieren. Die schwierigsten Phasen waren für mich der erste Ruhetag und die Etappen danach.

Da kam das Aus für Rio?

Am Abend vor dem ersten Ruhetag habe ich erfahren, dass ich vom ÖRV nicht für Olympia nominiert werde. Die Nominierungsentscheidung wurde vom ÖRV bereits zweimal nach hinten verschoben. Dann teilt man mir während der Tour und zum Ruhetag mit, dass ich nicht in Rio dabei bin. Also habe ich mich den ganzen Tag mit meinem Frust beschäftigt, anstatt mich zu regenerieren. Diese Vorgehensweise des ÖRV halte ich psychologisch und sportlich für extrem unprofessionell. Das war ein persönlicher Tiefschlag.

Was ist die Begründung des Radsportverbandes?

Es klingt absurd, aber wegen der Tour de France bin ich nicht für Olympia nominiert worden. Man hat gemeint, ich sei nach der Tour zu müde, weil ich keine Erfahrung mit einer dreiwöchigen Rundfahrt habe. Bei Georg Preidler, dessen Nominierung unbestritten richtig ist, hat man zu seiner Tour Teilnahme gemeint: „Wir glauben, er wird die Tour vorzeitig beenden.“ Georg ist die Tour genauso zu Ende gefahren wie ich. Nur eine Nominierung zu den Olympischen Spielen ist kein Glaubensbekenntnis. Sehr viele Fahrer, die in Rio am Start stehen, sind die Tour de France gefahren, denn die Tour ist eine richtig gute Vorbereitung auf Olympia. Im ÖRV sieht man das leider anders. Dennoch hoffe ich natürlich, dass unsere Fahrer in Rio so gut wie möglich abschneiden.

Was würde für Dich sprechen?

Wenn ich meine konstanten Resultate in den letzten beiden Jahre und die erkämpften UCI-Punkte, die für die Olympia-Quotenplätze notwendig sind, ansehe, kann ich die Entscheidung weder sportlich noch inhaltlich nachvollziehen. Keiner von den für Rio in Frage kommenden Fahrern hat so viele UCI-Punkte geholt wie ich. Statt mir fährt jedoch jener Fahrer, der die wenigsten Punkte und die wenigsten Top-Ergebnisse erzielt hat.

Wie bist Du mit der Entscheidung umgegangen?

Zuerst sitzt Du im Hotelzimmer und hast keinen Ansprechpartner, weil jeder mit seinen eigenen Problemen beschäftigt ist. Nach einem langen Telefonat mit meinem Vater habe ich versucht, diese Sache von mir wegzuschieben und mich weiter auf die Tour zu konzentrieren. Doch es war extrem nervig und hat viel Energie abgezogen.

Welche Erfahrungen nimmst Du für kommende große Rundfahrten mit?

Die Luft bei einer Tour de France ist sehr dünn. Man darf sich schon in der gesamten Vorbereitung keine Fehler erlauben und muss alles tun, um etwa das Risiko für Krankheiten und Verletzungen auszuschließen bzw. zu minimieren. Man muss wirklich topfit an den Start gehen, sonst kann es sehr, sehr schwierig werden. Von Beginn an ist das Spiel von Belastung und Entlastung, sprich Rennen und Regeneration extrem wichtig. Man darf sich nicht stressen lassen, muss seine Chancen aktiv suchen aber braucht dazu auch Geduld. Sportlich muss ich mit meinem gesamten Team in der Analyse in nächster Zeit sicher noch tiefer gehen.

Wie hast Du am besten abschalten oder Dich wieder neu konzentrieren können?

Es hat mir sehr geholfen, dass in der letzten Woche meine Freundin gekommen ist, und auch unsere Familie. Das war einfach angenehm. Diese Kontakte und diese gemeinsame Zeit sind mir sehr wichtig.

Wie sieht Deine weitere Rennplanung aus?

Zunächst stehen vier Kriterien am Programm. Am Mittwoch in Wels, wo mein ehemaliger Club das Innenstadt-Kriterium veranstaltet. Am Donnerstag folgt Bischofshofen, am Freitag die Bruckmühler Radsportnacht in Bayern und am Sonntag „Rad am Ring“ am Nürburgring. Von 10.-13. August fahre ich die Tour de l’Ain in Frankreich, wo ich schon im Vorjahr Gesamtneunter war.

Alles Gute und vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Andreas Maier

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